Orderzusätze: Welche Ordertypen und Orderarten sind wichtig?

Limit setzen bei Flatex

Orderzusätze helfen einen Kauf- bzw. Verkaufsauftrag genauer zu spezifizieren. Durch Orderzusätze lassen sich Bedingungen in den Wertpapierauftrag einbauen, die für die Ordererfüllung gegeben sein müssen.

Der bekannteste Zusatz ist das Limit. Durch das Setzen eines Limits wird die aufgegebene Order erst dann ausgeführt, wenn der Kurs im Rahmen des Limits liegt.

Durch die Nutzung der Orderzusätze lassen sich unterschiedliche Strategien verfolgen. Außerdem können die Zusätze zur Absicherung oder auch Gewinnsicherung des eigenen Depots genutzt werden. Wir stellen die Orderzusätze vor, die bei den bei uns vorgestellten Depots möglich sind.

Kann jeder Zusatz bei jeder Order genutzt werden?

Nicht bei allen Depots stehen alle Ordertypen bzw. Zusätze zur Verfügung. Die "Standartzusätze" bieten inzwischen jedoch an sich alle online Broker an.

Die größte Einschränkung bei der Nutzung der Orderzusätze liegt jedoch am genutzten Handelsplatz. Nicht an jeder Börse oder bei jedem außerbörslichen Handelsplatz kann jede Bedingungen in eine Order mit eingebaut werden. Manche Strategien, die auf bestimmte Limits oder Ordertypen zurückgreifen, können daher nicht über jeden Handelsplatz genutzt werden. "OCO" ist z.B. ein spezieller Ordertyp der nur beim Handel über Stuttgart, tradegate und zum Teil beim Direkthandel möglich ist.

Ordertypen für Einsteiger (notwendiges Basiswissen)

Die bekanntesten Ordertypen sind die Market-Order, die Limit-Order und die Stop-Order. Alle drei Ordertypen sollten inzwischen bei jedem (online) Depot möglich sein. Bei der Aufgabe eines Wertpapierauftrags können mindestens diese drei Ordertypen ausgewählt werden. Wir erklären im Folgenden, was sich hinter den Begriffen versteckt.

Market Order - bestens oder billigst verkaufen bzw. kaufen

Ordermaske bei der comdirectEine Market Order ist ein unlimitierter Kauf- oder Verkaufsauftrag. Der Kauf soll billigst und der Verkauf bestens ausgeführt werden. Beim Kauf einer Aktie wird einem somit das aktuell günstigste Verkaufsangebot zugewiesen. Allerdings muss dies nicht zwingend zu einem günstigen Preis für den Käufer führen. Lag der letzte Kurs der Aktie xy z.B. bei 50€, zum Zeitpunkt der Aufgabe der Market Order liegen jedoch nur zwei Verkaufsorder über 51€ und 51,50€ vor, würde man die Aktien zum Kurs von 51€ kaufen.

Gerade bei Nebenwerten, bei denen nicht in jeder Sekunden mehrere Kauf- und Verkaufsorder aufeinandertreffen, kann man mit einer Market-Order Pech haben und von schlechten Kursen überrascht werden. Eine Market-Order sollte daher am besten die Ausnahme sein. Einsteiger und Anfänger  sollten lieber stets ein Limit setzen und zur Sicherheit immer eine Limit Order verwenden.

Limit Order - Wertpapiere mit Limit kaufen bzw. verkaufen

Die bereits angesprochene Limit-Order gibt eine gewissen Sicherheit beim Kauf  bzw. Verkauf von Wertpapieren. Setzt man z.B. beim Kauf einer Aktie ein Limit, wird die Order nur dann ausgeführt, wenn ein  Kaufpreis maximal bis zum gewählten Limit möglich ist. Limit Order werden somit nicht immer sofort ausgeführt und verbleiben je nach gewählter Gültigkeit im System bis sie entweder storniert werden (manuell oder Ablauf der Gültigkeit s.u.) oder das Limit erreicht wird und sie ausgeführt werden.

Limit Order comdirectBeim Verkauf kann eine Limit Order ebenfalls genutzt werden. Über das Limit kann man sicher gehen, dass die Order nur dann ausgeführt wird, wenn (mindestens) der gewünschte Preis erzielt werden kann.

Etwas genauer gehen wir auf das Setzen von Limits in diesem Artikel ein: Limit beim Aktienkauf

Wer mit Wertpapieren handelt sollte unbedingt Limits setzen. Man kann bei der Verwendung von Market Orders schnell von schlechten Kursen überrascht werden. Durch das wirklich unkomplizierte Setzen eines Limits sichert man sich gegen plötzliche Kursschwankungen und schlechte Kurse ab.

Beispiel: Wird ein Limit von 9,65€ gesetzt, wird das gewünschte Wertpapier (z.B. eine Aktie) nur dann gekauft, wenn dies zu einem Preis von 9,65€ je Stück (oder günstiger) möglich ist. Sind nur Verkaufsaufträge zu 9,66€ am gewählten Börsenplatz vorhanden, wird die Order erstmal nicht ausgeführt.

Stop-Order - Stop-Kurs zur Absicherung setzen

Mit einer Stop Order (auch Stopp Order) wird eine Market Order (ohne Limit) ausgelöst, sobald ein bestimmter Kurs erreicht wird. Bei einer Verkaufsorder spricht man von einer Stopp-Loss-Order und beim Kauf von einer Stopp-Buy-Order.

Stop-Loss-Order: 

comdirect Stop OrderEine Stop Loss Order kann helfen Verluste zu begrenzen. Bei einer Verkaufsorder kann als Orderart "Stop Loss" gewählt werden, bei der man ein Limit angeben muss. Wird das Limit erreicht, so wird das Wertpapier verkauft. In den meisten Fällen geschieht dies durch das sofortige aufgeben einer Market Order (kein Limit). Bei einigen Brokern kann die Verkaufsorder nach dem Erreichen des Stoppkurses auch mittels einer Limit-Order geschehen.

Beispiel Stop Loss Order: Hat man die Aktie XY zu 100€ gekauft und möchte, um einen Verlust zu begrenzen, diese notfalls verkaufen, kann man eine Stop-Order mit Limit von z.B. 90€ einrichten. Fällt der Kurs der Aktie auf 90€, wird automatisch eine Verkaufsorder aufgegeben, um die Aktie zu verkaufen. Anleger müssen somit nicht laufend ihr Depot überwachen, sondern können Wertpapiere bei Kursverlusten automatisch verkaufen lassen.

Eine Stop Loss Order kann allerdings auch zur Gewinnsicherung dienen. Ist die Aktie aus dem o.g. Beispiel inzwischen von 100€ auf 120€ gestiegen, kann man auch einen Stoppkurs einrichten, bzw. die alte Stop Loss Order auf z.B. 110€ abändern. Bei weiteren Anstiegen kann man den Stoppkurs laufend nachziehen. Bricht die Aktie irgendwann aus dem Aufwärtstrend aus und fällt wieder, hat man durch den automatischen Verkauf einen Gewinn gesichert.

Deutlich detaillierter erklären wir die Stop Loss Order in einem anderen Artikel und gehen außerdem auf die Nachteile dieser Orderart ein.

Trailing Stop Loss Order

Die Trailing Stop Order ähnelt der Stop Loss Order, allerdings wird kein Stoppkurs festgelegt, sondern ein Abstand. Dieser Abstand kann einen festen Wert wie z.B. 5€ oder eine Prozentzahl wie z.B. 10% sein. Der Vorteil der Trailing Stop Order ist, dass sich der Abstand anpasst. Bei jedem neuen Höchstkurs ändert sich auch der Trailing Stop.

Beispiel Trailing Stop Order: Beim Kurs von 100€ richtet man für die Aktie XY einen Trailing Stop Loss von 10€ ein. Das Limit, dass einen Verkauf auslösen würde, liegt also bei 90€. Steigt die Aktie jedoch auf 105€, würde sich der Stoppkurs automatisch auf 95€ (Abstand von 10€) nachziehen. Jeder neue Höchstkurs der Aktie würde somit zur Anpassung des Trailing Stops führen. Fällt die Aktie wieder passt sich der einmal erreichte Stoppkurs selbstverständlich nicht nach unten an.

Normalerweise ist es ratsamer den Trailing Stop als Prozentwert anzugeben. Bei einer Aktie zum Kurs von 100€ können 10€ ein ausreichender Trailing Stop sein (je nach Volatilität der Aktie). Steigt die Aktie auf 250€, wäre der Trailing Stop mit 10€ unter Umständen zu klein. Hätte man anfangs den Stop mit 10% angegeben, wäre dieser auch bei einem Kurs von 250€ noch ausreichend, nämlich 25€.

Stop-Buy-Order:

Eine Stop Buy Order (auch Stopp Buy Order) ist ein Kaufauftrag, der beim Überschreiten einer vorher festgelegten Kursgrenze aufgegeben wird. Eigentlich müsste diese Orderart "Start Buy Order" heißen, da der Kauf beim Erreichen des Limits nicht stoppt, sondern erst startet. Normalerweise führt das Erreichen des vorher definierten Kursniveaus zu einer Market Order, die billigst ausgeführt wird. Bei einigen Brokern (z.B. Consorsbank) kann jedoch auch eine Stop Buy Order mit Limit aufgegeben werden.

Beispiel Stop Buy Order: Die Aktie XY steht bei 95€. Man richtet eine Stop Buy Order zu 102€ ein. Steigt der Kurs der Aktie auf über 102€ wird eine Market Order aufgegeben und die Aktie zum nächstmöglichen Kurs gekauft. Theoretisch kann dieser Kurs bereits bei 103€ oder höher liegen oder die Aktie ist wieder gefallen und wird zu 102€ oder weniger gekauft.

Welchen Sinn macht dies Orderart? Sinn und Zweck der Orderart ist es Aktien erst nach dem Überschreiten eines wichtigen Widerstands zu kaufen.

Bei der Aktie XY ist man sich z.B. sicher, dass diese viel Potential hat. Dennoch prallt die Aktie seit längerem an der Grenze von 100€ ab (Widerstand) und fällt etwas zurück, bis sie erneuten einen Anlauf auf die 100€ Marke nimmt. Man kann die Aktie natürlich sofort kaufen und hoffen, dass diese es beim xten Versuch schafft oder man richtet eine Stop Buy Order ein und wartet ab, bis der Widerstand tatsächlich überschritten wurde, weil man ab diesem Durchbruch von einem starken Anstieg ausgeht.

Die Stop Buy Order lässt sich gut mit der Chartanalyse kombinieren. Werden bestimmte Formationen durch Überschreiten gewisser Kurse ausgebildet, lässt man das Wertpapier automatisch kaufen. Ansonsten verfällt der Kaufauftrag nach der vorher definierten Laufzeit.

 

Weitere Orderzusätze für Fortgeschrittene

Die folgenden Orderzusätze helfen bestimmte Strategien zu verfolgen, eine Order noch genauer zu definieren und sind nicht nur auf den Kurs bezogen, wie die Orderarten für Anfänger weiter oben.

OCO - One cancels the other

Beim Orderzusatz "one cancels the other" werden gleich mehrere unterschiedliche Order (in der Regel zwei) aufgeben. Ausgeführt wird allerdings nur maximal einer dieser Aufträge. Die zweite Order wird sofort gelöscht, wenn es zur Ausführung der anderen Order gekommen ist.

Mit diesem Orderzusatz kann man auf unterschiedliche Marktsituationen reagieren ohne den Kurs des Wertpapiers verfolgen zu müssen.

OCO-Order

Mögliche OCO-Orders mit Beispielen

Kombination Verkaufsorder mit Limit und Stopp-Loss:

Wieso sollte man zwei unterschiedliche Verkaufsorder kombinieren? Die eine Order (Verkaufsorder) dient dazu Gewinne zu sichern und die zweite Order (Stopp-Loss) soll Verluste begrenzen.

Die Kombination von Limit-Verkaufsorder und Stop-Loss ist besonders interessant für Trader. Kauft man ein Wertpapier, kann man anschließend direkt seinen gewünschten Gewinn und seinen maximalen Verlust festlegen.

Beispiel: Hat man zum Beispiel eine Aktie zu 100€ gekauft, kann man mittels OCO einen Stopp-Kurs zu 95€ mit einem limitierten Verkaufsauftrag von z.B. 120€ kombinieren.

Fällt die Aktie, steigt man zumindest nur mit ca. 5€ Verlust aus. Bei einem Anstieg lässt man Gewinne allerdings laufen, bis man mindestens 20€ je Aktie erreicht hat. Dies geschieht alles automatisch, ohne dass man nach der Einstellung der OCO-Order noch irgendwie tätig werden müsste. Besonders im CFD- oder Forexhandel macht diese OCO-Orderart Sinn.

Nach der Ausführung einer der beidern Order (z.B. die Limt Verkaufsorder aufgrund eines Kursanstiegs) wird die andere Order sofort gelöscht (OCO = One cancels the other)!

Kombination Kauforder mit Limit und Stop-Buy:

Mit dieser Art der OCO-Order versucht man ein Wertpapier möglichst günstig zu kaufen (Kauforder mit Limit) oder alternativ noch auf den "fahrenden Zug" aufzuspringen.

Beispiel: Eine Aktie schwankt um 95€ und hat es bisher nicht geschafft den starken Widerstand bei 97€ nachhaltig zu überwinden. Mit der Kauforder mit Limit versucht man z.B. die Aktie für nur 93€ kaufen zu können. Sollte die Aktie aber tatsächlich über 97€ steigen, möchte man durch eine Stopp-Buy Order zum Kurs von z.B. 97,50€ noch mit einsteigen.

Durch die OCO Order wird nur eine der beiden Ordern ausgeführt. Entweder hat man Glück und kann die Aktie zum günstigen Preis erwerben oder man steigt zumindest dann noch ein, wenn der Wert der Widerstand durchbrochen hat. Das man doppelt kauft ist ausgeschlossen, da bei einer OCO-Order immer nur eine Order ausgeführt wird und die übrige Order anschließend sofort gelöscht wird.

Weitere OCO Kombinationen

Mittels OCO lässt sich noch eine limitierte Kauforder mit einer limitierten Verkaufsorder kombinieren. Außerdem ist der Orderzusatz zur Kombination von Stop Loss mit Stop Buy möglich.

Auf den ersten Blick erscheint es fragwürdig, warum man eine Verkaufsorder mit einer Kauforder kombinieren sollte. Häufig wird diese Orderart jedoch von Nutzern der Chartanalyse verwendet. Werden bestimmte Formationen ausgebildet oder Widerstände nach oben durchbrochen geht man long bzw. kauft den Wert und beim Unterschreiten bestimmter Widerstände geht man short bzw. verkauft den Wert.

Anwendung OCO-Order: Die Kombinationen von mehreren Ordern ist besonders für aktive Trader interessant. Für den Aktienhandel reicht in der Regel die Kombination von einer Verkaufsorder mit Limit und einem Stopp-Buy. Im CFD-Handel sollte man jedoch alle Kombinationen kennen.

Mehr Informationen zur OCO-Order erhalten sie hier: Die OCO-Order

 

Weitere Orderzusätze und Orderarten:

Es existieren weitere Orderzusätze und Ordertypen, die wir hier kurz vorstellen wollen. Die Orderzusätze spezifizieren eine Order noch etwas genauer und bestimmen z.B. die Ordergültigkeit oder Art der Ausführung.  Zum Teil können diese Orderzusätze mit den weiter oben vorgstellten Ordertypen kombiniert werden.

 

  • AON (All or nothing / All or none) - Mit diesem Zusatz wird die Order nur ausgeführt, wenn diese komplett erfüllt werden kann. Teilausführungen (z.B. nur 100 Stück statt 200Stück) sollen somit vermieden werden.
  • IOC (Immediate or cancel) - Kann die Order nicht sofort (teilweise oder komplett) ausgeführt werden, wird sie gelöscht und bleibt nicht wie sonst üblich im System.
  • FOK (Fill or kill) - Eine Kombination aus AON und IOC. Kann die Order nicht sofort komplett bedient werden, wird sie gelöscht.
  • GTC (Good till cancelled) - Die Order bleibt so lange im System bis sie ausgeführt oder storniert wird.
  • GTD (Good till date) - Die Order ist bis zu einem bestimmten Datum gültig.

 

Vorteile durch die Orderzusätze

Durch die diversen Zusätze und Ordertypen werden unterschiedliche Strategien ermöglicht. Außerdem kann man den Zeitaufwand, um sein Depot zu überwachen auf ein Minimum reduzieren bzw. deutlich mehr Werte handeln. Die OCO-Order helfen z.B. auf unterschiedliche Entwicklungen reagieren zu können, ohne das man den Markt ständig im Auge behalten muss.

Beim CFD Handel wäre es außerdem grob fahrlässig auf Stopkurse zu verzichten. Ohne die Nutzung der vorgestellten OCO-Order (oder ähnlicher Auftragskombinationen) sollte man sich nicht an solch risikoreiche Finanzinstrumente heranwagen.

 

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