OCO (One cancels the other): Beispiel und Strategien

OCO Order bei Flatex

In diesem Artikel wollen wir die OCO-Order genauer erklären und mögliche Einsatzmöglichkeiten vorstellen.

Eine OCO-Order besteht eigentlich aus zwei Aufträgen, von denen nur einer ausgeführt wird und der andere storniert wird (OCO steht für "one cancels the other").

Diese intelligente Orderart kann bisher allerdings nur an den Handelsplätzen Stuttgart und Tradegate, sowie im außerbörslichen Direkthandel bei einigen Emittenten genutzt werden.

Außerdem kann man nicht bei allen Brokern eine OCO-Order aufgeben. Unsere Beispielbilder stammen vom Flatex Depot, bei dem diese speziellere Orderart auswählbar ist.

 

Was ist eine OCO-Order

OCO (one cancels the other) ist ein Orderzusatz, der sowohl bei einer Kauf- als auch bei einer Verkaufsorder zu finden ist. Die Orderart wird jedoch nicht von jedem Depot unterstützt und richtet sich eher an im Wertpapierbereich fortgeschrittene Personen und besonders an aktive Trader.

Beim Orderzusatz "one cancels the other" werden gleich mehrere unterschiedliche Order (in der Regel zwei) miteinander kombiniert. Ausgeführt wird allerdings nur maximal einer dieser Aufträge. Der oder die weiteren Order werden anschließend sofort storniert.

Mit diesem Orderzusatz kann man auf unterschiedliche Marktsituationen reagieren ohne den Kurs des Wertpapiers verfolgen zu müssen. Es ergeben sich sehr viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten und Strategien durch den Orderzusatz OCO, die wir im Folgenden darstellen wollen.

Mögliche OCO-Orders mit Beispielen

Kombination Verkaufsorder mit Limit und Stopp-Loss:

Steht eine Aktie z.B. bei 100€ und man möchte die gerne zu einem höheren Kurs verkaufen, hat allerdings auch Angst, dass die Aktie weiter an Wert verliert (z.B. anstehende Quartalsergebnisse oder sonstige Nachrichten), kann man sich mit einer Verkaufsorder mit dem Orderzusatz OCO behelfen. Man könnte z.B. ein Limit von 105€ einrichten und gleichzeitig ein Stopp-Loss bei 95€ setzen.

Steigt der Kurs auf 105€ wird die Aktie verkauft, fällt sie dagegen auf unter 95€ begrenzt man durch den Stop Loss zumindest seine Verluste.

Die Kombination von Limit-Verkaufsorder und Stop-Loss lässt sich auch gut als Trader nutzen. Kauft man ein Wertpapier für 100€, kann man anschließend direkt seinen gewünschten Gewinn und seinen maximalen Verlust festlegen. Der Stopp Loss kann bei der o.g. Aktie auch auf 95€ und das Verkaufslimit auf 120€ festgelegt werden. Auf diese Weise riskiert man maximal ca. 5€ je Aktie, kann jedoch ca. 20€ je Aktie gewinnen. 

Kombination Kauforder mit Limit und Stop-Buy:

Beispiel OCO-OrderMit dem Orderzusatz OCO lässt sich auch eine limitierte Kauforder mit einem Stop Buy kombinieren, was wir anhand des Bildes erklären wollen.

Man kann z.B. eine Kauflimit zu 9,30€ einrichten, was unter dem aktuellen Kursniveau von 9,651€ liegt. Zusätzlich kombiniert man diesen Kaufauftrag mit einem Stop Buy von 9,70€.

Der Sinn liegt darin, dass man durch das Limit versucht das Wertpapier zu einem möglichst günstigen Kurs zu kaufen. Geht man allerdings davon aus, dass das Wertpapier z.B. nach dem Durchbruch durch einen Widerstand stark steigen könnte, kann man durch den Stop Buy zumindest noch auf den fahrenden Zug aufspringen, falls die Aktie nach dem Durchbruch tatsächlich stark steigt.

Selbstverständlich gibt es viele weitere Einsatzmöglichkeiten dieser Orderart. Im großen und Ganzen geht es bei allen diesen Orderzusatz nutzenden Strategien jedoch darum das Wertpapier möglichst günstig zu kaufen (Kauforder mit Limit) und wenn dies nicht gelingt zumindest bei einem starken Kursanstieg noch schnell einsteigen zu können (mittels der Stop Buy Order).

Weitere OCO Kombinationen:

Mittels OCO lässt sich noch eine limitierte Kauforder mit einer limitierten Verkaufsorder kombinieren. Außerdem ist der Orderzusatz zur Kombination von Stop Loss mit Stop Buy möglich.

Warum sollte man eine Kauforder und gleichzeitig eine Verkaufsorder kombinieren, wenn sowieso nur eine dieser Aufträge (one cancels the other) ausgeführt werden kann?

Diese Kombinationen kann bei bestimmten Strategien sinnvoll sein. Zum Beispiel kann man vor wichtigen Unternehmensmeldungen solche Order aufgeben. Sinkt der Kurs nach der Veröffentlichung (z.B. Quartalsergebnisse) verkauft man die entsprechenden Wertpapiere durch den Stop-Loss lieber automatisch. Zieht der Kurs jedoch an, werden durch die Start Buy Order weitere Papiere gekauft.

Beliebt sind derartige Kombinationen auch für Freunde der technischen Analyse (Chart-Analyse). Den Stop-Loss-Kurs und auch den Stopp-Buy-Kurs kann man an bestimmten Unterstützungslinien oder Widerständen festsetzen. Je nachdem wie der Kurs verläuft, wird automatisch die richtige Order ausgeführt, ohne das man ständig den Chart der Aktie im Auge behalten muss.

Warum sind OCO-Orders für Trader so interessant?

Trader sind Personen die Aktien und andere Wertpapiere in der Regel schnell kaufen und mit Gewinn wieder verkaufen wollen. Eine langfristige Anlage wie z.B. bei einem Investor ist nicht geplant. Mit einer OCO-Order kann auf verschiedene Marktsituationen reagiert werden. Außerdem lassen sich Strategien verfolgen und nach klar definierten Vorgaben handeln.

Gerade wenn man mehrere Positionen offen hat, helfen die OCO Order den Überblick zu behalten, bzw. die "Kontrollzeit" für sein Depot zu reduzieren. Besonders beleibt und sinnvoll beim Traden ist die OCO-Order mit limitierter Verkaufsorder und Stop-Loss. Direkt nach dem Kauf des Wertpapiers oder der Eröffnung der Position lässt sich durch den Stopp Loss ein möglicher Verlust begrenzen. Durch das Verkaufslimit kann man zusätzlich bereits vorab definieren, ab wann man aussteigen und Gewinne mitnehmen möchte.

Besonders im CFD-Handel, bei dem hohe Gewinne, aber auch Verluste möglich sind, sollte man sich absichern und mindestens mit Stop-Orders arbeiten. Durch die Kombination mit einer zweiten Order kann man jedoch ohne die Entwicklung durchgehend verfolgen zu müssen automatisch Gewinne realisieren.

 

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